8
Mai
2008

Neuigkeiten aus Hypochondrien

Wenn ich mir ansehe, wie oft ich mich hier über Zipperlein auslasse, dann graust mir davor, noch 10 Jahre älter zu werden. Wahrscheinlich werde ich dann eine Batterie von medizinischen Nachschlagewerken (vulgo: Doktorbücher) in Reichweite haben und sämtliche Gesundheitsforen sind als Bookmarks abgelegt.
Mein Verhältnis zu meinem Körper schwankt zwischen unmotivierter Hypochondrie und völliger Ignoranz. So wie übermäßig gefühlskontrollierte Menschen Emotion nur über Sentimentalität rauslassen können, so brechen bei mir Krankheiten nur aus, wenn ich sie zuvor genehmigt habe und ich weiterhin jede Zuckung aufmerksam beobachte und analysiere.
Vor ein paar Jahren bin ich monatelang mit einer Salmonelleninfektion herumgelaufen. Den ständigen Durchfall schob ich auf Streß oder falsche Dosierung der Schilddrüsentabletten. Nach einem halben Jahr ging ich dann doch zum Arzt. Ich war teigig, weiß, schlapp, deprimiert und hatte eine Dauererkältung. Der Arzt erklärte mich schlichtweg für bekloppt, verschrieb mir ein paar Tabletten (er ersparte mir Gott sei Dank die Meldepflicht nach dem Seuchengesetz) und der Spuk hatte ein Ende.
Gestern saß ich wieder einmal beim Arzt. Meine Wintererkältung ist seit Wochen kuriert und auch der Schmerz um KKM konnte nicht bewirken, daß ich ständig müde, mutlos und aufgedunsen bin.
Mittlerweile bin ich die Art dieser netten Kampflesbe gewöhnt. Beim ersten Mal war ich leicht verunsichert. Es ist aber nicht schlecht, von einer Frau untenrum angepackt zu werden, wie einen sonst nur ein Kerl anpackt. Und beim Ultraschall ein Kompliment über die gut trainierten Brustmuskeln zu bekommen, das geht doch runter wie Öl.
Den Übeltäter haben wir auch gefunden. Ein pingpongballgroßer Energiefresser, wieder einmal eine subtile Rache meines zu überbordender Fruchtbarkeit ausgelegten Körpers für nicht stattgefundene Schwangerschaften. Auf die Frage: Haben sie Schmerzen? schüttelte ich den Kopf. Ichhabdochkeineschmerzendashabendochnurweichlinge.
Heute nacht dann erinnere ich mich daran, daß ich in den letzten Monaten öfter mit der Hand auf dem Bauch dasaß oder mich zusammenriß. Mal dachte ich an eine Blinddarmreizung, dann fühlte es sich nach Nierenschmerzen an, selten aber um so intensiver riß es durch das ganze Becken bis hinunter in die Fußsohle.
Jetzt, wo ich weiß, was das war, möchte ich das Ding eigentlich nicht mehr mit mir herumtragen. Ich möchte wieder fit sein.
Die Ärztin schaute aber in aller Seelenruhe auf ihren Kalender und meinte: das beobachten wir erst mal, außerdem fahre ich übermorgen in Urlaub. Wenn es anfängt weh zu tun, müssen sie schnell zu einem anderen Arzt gehen.
In meinem Kopf habe ich das Bild aus "Total Recall". Arnie zieht sich den Sender aus der Nase. Was gäbe ich darum, daß ich dieses Ding einfach rauszaubern könnte...
Menno.
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