17
Sep
2008

Zeitkapsel 2

Ein Freund schickte mir gestern eine Mail, die vor genau 9 Jahren an ihn schrieb:

Gestern abend, als ich losging, stand ich vor dem Spiegel und hatte zu ersten Mal das Gefühl, alt zu werden. Ich habe mit allen Tricks die Furchen der Müdigkeit nicht aus dem Gesicht bekommen. Und ich sagte mir: so fängt es also an, der Auseinanderfall von Selbstbild und wahrer Erscheinung. Das ist nichts hysterisches und kein fishing for compliments. Es war einfach so.
(...)
Soll ich Dir noch eine Geschichte erzählen? Ich saß gestern abend noch auf dem Steg, um das aufgeschobene Telefonat zu führen und habe die allerletzte Sternschnuppe dieses denkwürdigen Sommers gesehen. Und als ich heute morgen aufwachte, wußte ich auch, daß dies die letzte Sommernacht auf dem Steg für dieses Jahr war. Jetzt wird es Herbst.


Es hat sich nicht viel verändert. Nur der Steg fehlt und der Fluß.

Was wäre wenn

die Mauer noch stünde? Dann würde die derzeitige Wirtschaftskrise (deren Auswirkungen wir heute nicht in Ansätzen vorausahnen können) im Neuen Deutschland frohlockend kommentiert. Als das Ende des faulenden, absterbenden Kapitalismus: Ein Land kauft seine wichtigsten Banken. Verstaatlichung ohne Revolution.
Genauso wie es sich niemand in seinen Träumen ausmalen konnte, daß zwei mit Passagieren besetzte Verkehrsflugzeuge in zwei Bürowolkenkratzer gelenkt werden, hat sich nie jemand ausmalen können, daß Mißwirtschaft ausreicht und Ideologie garnicht nötig ist, um im Mutterland des Kapitalismus plötzlich Staatseigentum an Produktionsmitteln entstehen zu lassen.
Schade, daß das meine Großeltern und Urgroßeltern nicht mehr erleben...
Siehe auch hier.

Im Chor

I'd do anything for love zu brüllen ist eine gute Therapie. Ich hatte heute morgen einen mittelprächtigen Kater und in mein Gesicht sind zwei Lachfältchen zurückgekehrt. Die herunterhängenden Mundwinkel sind mit unbekanntem Bestimmungsort verreist. Gut so.
Der exbloggende Herr Ereignishorizont hat neben Rücken nun auch Kopf. Denn auch in einer 4-Mann-Karaokekabine geht mit mir irgendwann die Rampensau durch und ich fange an, mit großen Gesten ein nichtvorhandenenes Publikum zu animieren. Da stand er leider im Weg. Tschuldigung. Wenden Sie sich wegen Schadenersatzklagen bitte an mein Management.
Eine Erkenntnis, die mich nicht überrascht: Ich lese mittlerweile besser Englisch als Russisch und so waren die Zeilen der russischen Lieder immer vorbei, als ich sie entziffert hatte.

Und nun packe ich mein Köfferchen, denn morgen früh gehts ab nach Budapest, mit HeMan und dem Englischen Freund.
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