14
Mai
2009

Auslandsversprecher

Wer sich erinnert: ich hatte für fünf Mal Mails checken auf der schönen Insel Sardinien (über vodafone Deuschland zu vodafone Italia) von meinem Provider Debitel eine Rechnung in Höhe von 1.600 € bekommen.
Eine Zeitlang habe ich den Herrschaften böse Faxe geschrieben, in denen ich wiederholt anfragte, wie sie es eigentlich erklären könnten, daß bei ihnen 1 MB Daten über 30 € kostet und bei Vodafone direkt für alle Verträge, ob alte oder neue, maximal 3,40 €. Als Antwort schickte mir der Platinservice für besondere Kunden stoisch und kommentarlos angebliche Auszüge aus meinen Vertragsbedingungen und versuchten immer wieder, das Geld per Lastschrifteinzug zu holen, obwohl ich ihnen dazu die Vollmacht sofort nach meiner Rückkehr entzogen hatte.
Letzte Woche beauftragte ich dann doch einen Anwalt mit der Geschichte und zwei Tage später (was aber nicht in kausalem Zusammenhang steht) wurden sämtliche Firmengeräte für ausgehende Anrufe gesperrt.
Interessanterweise auch mein Haupttelefon, für das ich eine nicht unbeträchtliche Flatrate monatlich im Voraus bezahle (und auch während der Streitigkeiten bezahlt habe).
Ich hoffe, das ist der Punkt, wo ich einhaken und fristlos kündigen kann. Denn als Kundin hat mich dieser Laden zumindest innerlich schon seit einigen Wochen verloren.
Und mein Anwalt hat den Vorstand von Debitel-Mobilcom, wie sie neuerdings heißen, mit einer Strafanzeige wegen Preiswucher bedroht. Die Frist zur Reaktion läuft morgen ab. Ich bin sehr gespannt.

In den Zeiten des Verrats sind die Landschaften schön

Heiner Müller "Der Auftrag"
Weiß gar nicht, warum ich darauf komme. Aber heute war sowieso mein literarischer Tag. Mir spukten jede Menge Zitate im Kopf herum (vielleicht hatte ich ein Hirnareal lockergehustet). La Primavera habe ich heute vormittag mit "Faust" bombardiert. Nicht unbedingt mein Stück, diese deutsche Ikone. Aber vielleicht komme ich langsam in das Alter, wo ich es verstehe.
Je fataler meine geschäftliche Situation wird (und das teile ich zu meinem Trost mit vielen), um so freier wird mein Kopf. Meine Gedanken und mein Lebensgefühl kommen auf Touren wie lange nicht mehr. Ich denke, schreibe, beobachte, schlussfolgere. Doch letztlich füllt das nicht mein Konto. Vielleicht hole ich etwas nach, was ich in den Jahren in der Tretmühle nicht tun konnte: das kreative Energiepotential auffüllen.
Ich genieße jeden Moment als wertvoll. Den müden, zufriedenen Gesichtsausdruck meines Cousins, der heute mittag Vater geworden ist. Die Sonne, die neben dem Dom untergeht. Bandy Brooks-Eiscreme. Zu sehen, daß die roten Korallen, die ich von Sardinien mitgebracht habe, auf meiner Haut immer schöner werden. Mein Kind, das von Tag zu Tag erwachsener wird. Freunde...
Ich, die ich lange Jahre keine Sehnsüchte hatte, fange an, wieder zu träumen. Ich nehme mir die Freiheit, zu überlegen, wie mein Leben in den nächsten 10 Jahren aussehen könnte. Manchmal wird mir himmelangst dabei und ich sage mir, daß ich verrückt bin. Denn es kann auch alles ganz anders kommen, negativ, deprimierend, einengend und abweisend. Auf der anderen Seite weiß ich, daß ich es bisher immer aus ganz miesen Situationen herausgeschafft habe und erreicht habe, was ich erreichen wollte.
Es sind 106 Meilen bis Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen.
Ich kann Ziele formulieren, ich habe keine Angst, draufloszustolpern und Fehler zu machen. Ich lerne schnell und kann meinem Instinkt vertrauen. Ich bin anpassungs- und durchsetzungsfähig. Ich habe ein Gefühl für Timing entwickelt. Weiß, was wann dran ist, Handeln oder Zögern. Ich kann mir aus kurzen Etappensiegen Zufriedenheit holen. Und wenn es wirklich wichtig ist, kann ich Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.
Nun ja, sprechen wir uns wieder, wenn einige Zeit vergangen ist. Vielleicht zeugten diese Sätze auch gerade von der größten Selbstüberschätzung meines Lebens.

Drei Dinge, die in Zukunft wichtig sind?

Morgens vor das Haus treten, mit beiden Füßen auf der Erde stehen und schauen, was der Tag bringt.

Den Horizont sehen.

Neben dem Mann einschlafen.

langsam

gehts wieder aufwärts...
habe aber immer noch ein weltverschlingendes schlafbedürfnis.
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