29
Apr
2008

...

KKM ist tot.

Das Leben geht trotzdem weiter.

Das habe ich gestern geschrieben, veröffentlicht und nach zehn Minuten wieder offline gestellt.
Als ich hörte, daß sie vom Beerdigungsinstitut noch nicht abgeholt wurde, wollte ich es erst akzeptieren, nachdem ich sie noch einmal gesehen hatte.
Manchmal begreift man Redewendungen erst, wenn man sie erlebt hat. Kalt wie der Tod.

Ich war am Abend bei ihr, nachdem ich mit Tage darum gedrückt hatte. Etwas anderes war immer wichtiger. Angeblich. Ich hatte Angst, ihrem körperlichen Verfall zusehen zu müssen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Reduktion eines Menschen noch zu steigern war.
Sie erkannte mich zu meinem Erstaunen. Vater und Onkel hatte sie seit Tagen nicht mehr erkannt. Sie wollte etwas sagen, konnte es aber nicht. Ich redete, redete, redete. Vom Frühling und den blühenden Apfelbäumen. Vom Kind und seiner Krise beim Studium. Von der Liebe und von der Wohnungssuche (Sie hatte mich in den Monaten vorher immer wieder danach gefragt: Ist das jetzt etwas richtiges, etwas ernstes, wollt ihr wirklich miteinander oder ist das nur so?)
Sie atmete schwer und langgezogen. Ich legte ihr die Hand auf die Stirn, das hatte sie immer beruhigt. Ich redete davon, wie sie mir das Daunenbett auf die andere, die kühle Seite drehte, wenn sie nachts noch einmal nach mir sah. Ich hörte mich reden. Daß ich sie nicht vergessen werde, daß so viel von ihr in mir ist und weiterleben wird.
Manchmal krümmte sie sich zusammen. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie keine Schmerzen hatte. Keine Schmerzmittel bis jetzt. Die Schwester, die ich fragte meinte, sie hätte keine Schmerzen, sie würde es beim Drehen und Anfassen merken. In diesem Zustand könnte sich niemand mehr die Schmerzen verbeißen.
Nach einer Stunde fuhr ich nach Hause. Mit dem Versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen. Ich dachte auf dem Rückweg darüber nach, wie zäh ein Mansch sein muß, vier Monate zu überleben, ohne zu essen, die letzten Tage ohne zu trinken.
In der Nacht schlief ich fest und traumlos. Am Morgen rief mich mein Onkel an und sagte mir, daß sie gestorben ist.

28
Apr
2008

Von der Schwierigkeit, sich zu paaren

Ich schreibe nicht über die Stelle, wo Frauen und Männer am besten zusammenpassen, nämlich in der Mitte, harhar.
Ich meine die emotionsüberfrachtete Suche nach dem Menschen, mit dem man gern den Rest seines Lebens verbringen möchte. (Und daß der Rest des Lebens dann in der Regel 7-8 Jahre lang ist, liegt einfach an unserer obzön hohen Lebenserwartung.)
Entweder man nimmt die Sache sportlich und stürzt sich ohne Verzögerung mit Neugier auf den neuen Menschen, der an die Tür klopft, lernt dabei eine Menge, erweitert seinen Horizont, stößt irgendwann an Grenzen und zieht weiter. Keine schlechte Sache, was die Beziehungs- und Lebenserfahrung angeht. Fazit ist aber oft die Erkenntnis, daß Menschen und Beziehungen so unterschiedlich garnicht sind. Denn 50% der Beziehung ist man selbst und in der Regel ändert man sich nicht.
Mal abgesehen von der enormen Vernichtung von Lebensenergie und Ressourcen, mit der die Suche nach einem neuen Partner verbunden ist. In Bars rumhängen, zuviel trinken, blöd quatschen und dann zu freudlosen sexuellen Handlungen entweder zu mir oder zu dir gehen (welcher Mann bringts schon in der ersten oder zweiten Nacht zufriedenstellend?). Die Trennung, weil man es nicht mehr aushält (sehr gern von gerade frisch getrennten Therapeuten empfohlen) könnte ein Weg in eine Singlehölle sein, die man erst recht nicht aushält. Von materiellen Dingen ganz zu schweigen. (Erst letztens den privaten Hintergrund einer Kundin erfahren. Durch eine Therapie hat sie den Mut zur Trennung gehabt, weil Männe ständig fremd ging. Haus verkauft, Altersvorsorge aufgelöst, separate Wohnungen bezogen, aber keiner ist glücklich. Die Frau nicht, weil sie beruflich den Anschluß nicht findet, um sich selbst zu ernähren - ganz abgesehen von einem neuen, womöglich treuen Mann, wer flirtet ein 60jähriges Muttchen an? Der Mann nicht, weil Fremdgehen etwas anderes ist als das banale Pistenf*cken, die Konkurrenz ist jünger und die Objekte der Begierde sehen plötzlich in ihm einen Partner und machen Streß. Fazit: Klassisches Lose-Lose.)
Die Vorstellung, daß es der Mensch sein soll, für den man sich aufhebt, treibt auch die seltsamsten Blüten. Einer meiner Freunde hat 8 lange Jahre allein verbracht weil, sein Forderungskatalog an die Frau seiner Träume lautete: mindestens zwei Frendsprachen fließend oder ein Doktortitel. Nun liebt er eine sehr nette Musiklehrerin, die an einer zweisprachigen Schule arbeitet.
Ein anderer sucht nun seit zwei Jahren die Frau seines Lebens, also am besten sollte es ein Mädchen sein, lieblich und nicht so abgeklärt. Mit dem Ergebnis, daß er mittlerweile schon zusammenzuckt, wenn ihn an der Supermarktkasse eine Frau anlächelt. Immerhin besser als früher, wo sein klassisches Beuteschema war: Ich will die Frau, die mich nicht will. Seine Ehefrau hat er vier Jahre geliebt und verfolgt und bekommen hat er sie erst, als es ihr mal ganz beschissen ging und sie einfach jemanden brauchte, dann war er da. Leider Gottes war sie dann auch sofort schwanger und diese Geschichte nahm einen Verlauf in eine unheilvolle Ehe. Auch mich hat er mal vier Jahre so angehimmelt. Ein oder zwei Mal war es es weit, daß ich dachte: ach, scheiß doch drauf, du brauchst einfach jemanden, der da ist und dich in den Arm nimmt. Es ist Gott sei Dank nie dazu gekommen. Ich hätte ihn vom ersten Augenblick an gehaßt, weil er mich in meiner Schwäche erobert hat.
Meine These ist, daß Menschen, die hohe Erwartungen an einen Partner haben, Murphys Gesetz unterworfen sind. Sie suchen so lange nach dem Menschen, der ihren Projektionen entspricht und sie haben ihre Projektionen in langer Zeit perfektioniert, daß sie im Erfolgsfall auf jemanden treffen, dem nicht gewachsen sind und der nicht zu ihnen passt. Wenn Aschenputtel endlich den Traumprinzen bekommt, ist sie trotzdem immer noch eine Erbsenzählerin und der Prinz ein reitender Schnösel.
Das andere worst-case-szenario ist, daß man vor lauter Entzug dann schließlich zum nächstbesten Deppen, der nicht bei drei auf dem Baum war, ja sagt. Der natürlich dem Bild vom Mann der Träume nicht entspricht. Erfolgreicher Arzt, schöner, romantischer Junggeselle mit künstlerischen Ambitionen war der Plan, angefetteter Buchhalter mit Volksmusikvorliebe ist die Ausführung.
Shit happens.
Deshalb bin ich nach wie vor dafür, wieder ein Heiratsvermittlungssystem einzuführen, das nach Ähnlichkeit der Herkunft, charakterlichen Ergänzungen und ähnlichen Lebensplänen arbeitet und diesen ganzen romantischen Schmus außer Acht läßt.

24
Apr
2008

Landwehrkanal

Currywurst, Pommes rot-weiß und ne Bank in der Sonne, was braucht man mehr. Dazu Jogger mit wunderbar schlaksigem Gang und der Trainingshose auf halb acht aufm hübschen Hintern...
Das Leben ist schön.

Mein Leben als Mann

Es gibt Texte, die sind wie Verkehrsunfälle. Man muß einfach hinschauen und weiterlesen.
Bei diesem und den vorhergehenden habe ich oft gedacht: Nee, das gibts nicht, das ist ein fake, den sich ein paar Mädels an einem Kneipentisch ausgedacht haben.
Aber scheinbar nicht. Es lebt, malocht und konsumiert in irgendeiner Großstadt und ist stolz darauf.

23
Apr
2008

Frechheit

Location: Kudammklamottenladen, nix unter 100 Tacken

Ichso: Ich würde dieses Kleid und diesen Anzug da gern in der 40 probieren.

DieVerkäuferinso: (sieht einmal an mir rauf und runter, russischer Akzent) Das wird glaube ich schwierig, wir haben nur 38.

Ichso: Führen sie etwa gar keine Größe 40?

DieVerkäuferinso: Das kann man so nicht sagen, manchmal haben wir auch Sachen in Größe 40.

Ichso:(Zensiert) (verlasse das Geschäft)

22
Apr
2008

Bitte beachten

Dieses Interview.

Forderungen an das Universum 1

Freiheit für Grönland, weg mit dem Packeis.

Ich weiß, der ist alt. Und mittlerweile politisch unkorrekt.

21
Apr
2008

fress:publica08

Dazu traf sich die erlesene Gesellschaft der Foodblogger am letzten Samstag.
Und da ich ein ebenso neugieriger wie verfressener Mensch bin, habe ich mich als reine Befindlichkeitsbloggerin einfach drangehangen, hab mir HeMan geschnappt und bin auf den fahrenden Zug nach Hessen aufgesprungen.
Und folgendes bringe ich mit:
* Menschen, die Essen lieben, sind angenehm normal. Und dazu sinnlich und entspannt.
* Nach diversen Partys, auf denen die Damen das Lachsstückchen aus dem Sushi popeln, in zwei Teile teilen und am kleineren mal knabbern, um den Teller irgendwo stehenzulassen, zur Sicherheit kotzen gehen und sich den Rest des Abends an einem Glas Wasser festhalten, war die ausdrückliche Erlaubnis, sich den Bauch vollzuschlagen quasi eine Einladung zu einer Orgie.
* Fleisch von glücklichen Tieren macht glücklich. Vor allem, wenn es sich um so archaische Zubereitungen wie Tartar (molekular: Dekonstruktion vom Rind) oder Blutwurst handelt.
* Auch Fisch, von dem nur der Kopf und der Schwanz abgeschraubt werden, ist köstlich - in diesem Fall handelt es sich um Kieler Sprotten aus dem Holzkästchen.
* Äbbelwoi, oder wie sich das Getränk auch immer schreibt, ist sehr speziell. Aber grüne Sosse!!!! Und die in einem Risotto. Ganz großes Kino. Von diesem Geschmack werde ich noch lange träumen.
* Lange nicht mehr so viel und durcheinander getrunken. Und trotzdem war ich in einem guten Zustand. Nicht dieser Kommunikationssuff nach dem Esen, wo einen die Cocktails irgendwann niederschlagen, sondern so ein genüßlicher Spiegel von Angeheitertsein.
* Für den Saumagen und die Weißwürste sind wir leider zu früh gegangen. Was hätt ich auf den Saumagen noch an Obstler kippen können.
* Das Erlebnis war Frankfurter Kranz, eine der meistgehaßten Torten meiner Kindheit. Trocken und fett zugleich, bröselig und zu mächtig, dazu fast geschmacklos. Und hier! Ein federleichter Bisquitteig, durchzogen von Johannisbeergeleeadern, auf denen leichte, schaumige und angenehm süße Buttercreme lagert, eingehüllt von karamelisierten Nuß-(Mandel-?)splittern. Zumindest unser Tisch hatte das dringende Bedürfnis, den Kuchen mit den Fingern zu essen.
Und ich hoffe, das Foto, das so aussieht, als würde ich am Finger eines Herren lutschen und HeMan sieht lächelnd dabei zu, wird nicht veröffentlicht.
* Über den Sinn des Foodbloggens geredet. Hier findet lebendige Küche statt. Kochsendungen unterstelle ich nach wie vor Pornofunktion. Wir sehen uns sabbernd die Zubereitung eines Menüs an, um dann eine Pizza in die Mikrowelle zu schieben.
Wie wenig Wissen gibt es überhaupt noch über schlichte normale Küche gibt, zeigt das Beispiel Grießpudding.
* Fazit: Ich koche zu wenig. Ich weiß, daß ich am Herd ziemlich gut bin, aber mir fehlt das Training. Und die Braten meiner Großmütter und der Streußelkuchen meiner Tante, die gehören leider einer untergehenden Kultur an. Wer bäckt heute noch regelmäßig ein Blech Kuchen oder macht einen Sechspfundbraten?

Es war schön, euch zu treffen! Dank an den Wirt. Wir sind nächstes Jahr wieder dabei.

* Ach so: Handkäs. Der muß laufen, dann ist er gut.

15
Apr
2008

Sonderbar

Bei längerem Alleinsein neige ich zu sonderbaren Handlungen. Gestern zum Beispiel stand ich zehn Minuten auf einem Feldweg, das letzte Gehöft einen Kilometer hinter mir, das nächste Dorf noch weit weg, die Schuhe im Schlamm und hörte zu, wie mir der Regen auf den Kopf fiel.
Heute lief ich einen menschenleeren Strand entlang und hatte Musikhörstöpsel in den Ohren (das mag ich ja sonst gar nicht). Wenn die Musik gut war, dann sang und brummte ich mit (das macht sich mit einer Bronchitis besonders gut) und irgendwann ging es mit mir durch. Ein schwarzes Daunenjacken-Michelinmännchen mit Wollmütze und Wanderstiefeln tanzte den Strand lang.

Meine Wirtinnen, zwei riesengroße alte Lesben, machen sich Sorgen, ob mir das Quartier gefällt. Fünfzig Meter von meinem Fenster wird gerade der Dachstuhl für das nächste Haus aufgesetzt. Morgens um halb Acht fängt das Hämmern an. Ich kann sie beruhigen, ich brauche weder eine anderes Zimmer noch einen Preisnachlaß. In meinem Kreuzberger Quartier fährt ab sieben Uhr die Müllabfuhr mit unerträglichem Tonsignal rückwarts im Schritttempo durch die Toreinfahrten. Was soll da ein bißchen Gehämmer? Außerdem kann ich am Schreibtisch sitzen und zusehen, wie ein Reetdach aufgesetzt wird, das ist doch spannend. Leider ist es noch zu kalt, im Sommer hätten die Jungs weniger an...

Mutter's Liebling

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Café im Teddybärenmuseum Putbus

liebe freunde von twoday

vielen dank. mein längerer artikel schwirrt irgendwo im nivana, weil mein login in der halben stunde, in der ich ihn schrieb, verlorengegangen ist.
jetzt habe ich auch keinen bock mehr.

13
Apr
2008

*FG*

SonneSonneSonne. Den ganzen Tag lang. Wenn ich vom Effizienzgedanken besessen wäre, dann hätte ich mich ärgern müssen, daß ich bis zehn Uhr gepennt habe. Aber egal. Die Vöglein balzten in der Dachrinne und ich drehte mich noch mal um und als ich dann gewaschen und befrühstückt war, hab ich das Auto oben nackig gemacht und bin an einen meiner Rügener Lieblingsorte gefahren. An meinen liebsten Lieblingsort komme ich derzeit leider nicht ran, da müßte ich mir einen Trecker mieten, auf den Feldwege steht das Wasser.
Und wer wissen will, wie es aussah, kann mal hier schauen.
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Deshalb. Letzter Abschnitt.
Deshalb. Letzter Abschnitt.
kittykoma - 7. Nov, 23:29
Warum?
cabman - 7. Nov, 21:33
Es ist vollbracht
Kitty und ihr Tagebuch sind wieder an die alte Adresse...
Kitty (importiert durch kittykoma) - 18. Okt, 16:03
wieder einmal bestätigt...
wieder einmal bestätigt sich, dass sport eben doch...
Huehnerschreck - 6. Apr, 10:21
Einmal im Jahr
muß sein. 2007: angebrochene Rippe im Wanderurlaub. 2008:...
kittykoma - 4. Apr, 20:44
Ich will auch einen Staubsauger...
Ich will auch einen Staubsauger mit dem die Hausarbeit...
Steffi (Gast) - 8. Mai, 06:45
Saure Eier
Bei uns gehen Saure Eier etwas anders. Mit Butter in...
Schwaka (Gast) - 17. Feb, 14:20
another feuchtgebiet...
spätpubertäre literaturwunderkinder - siehe...
kittykoma - 6. Feb, 13:43

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