exkurs

13
Okt
2009

Was Leib und Seele zusammenhält I

Laßt uns übers Essen reden. Nein, das wird kein Abnehm- und auch kein Kochtext.
Ich habe vor Jahren mal einen Text zu einem Filmprojekt namens "Ochsenhunger" geschrieben und finde ihn nicht mehr. Schade, denn er war gut. Ich hätte ihn sehr gern hier veröffentlicht und mit der Distanz von 5 Jahren noch einmal kommentiert.
Aber gut, dann gibt es einen neuen Text.

Im frühen wie im späten Leben achten die Bezugspersonen auf Einfuhr und Ausfuhr. Wie viel geht rein in das Stück Leben? Genügt es? Kommt eine adäquate Menge auch wieder raus? Klemmt irgendwas?
Baby-Kitty war in dieser Hinsicht ein Sorgenkind. Es kam zwar vorbildlich alles wieder aus ihr raus, aber nach Meinung der umsorgenden bzw. wortführenden Großeltern und -tanten, die samt und sonders im Krieg bitter hungern mussten, hätte in Baby -Kitty wesentlich mehr reingepasst, wenn sie es denn gewollt hätte. "Mädel, iss!" war mein zweiter Vorname.
Es wird von panischen Arztbesuchen berichtet, denn als ich die Masern hatte, aß ich drei Tage nichts. Der Arzt saß es gelassen: Wenn sie gesund wird, bekommt sie auch wieder Hunger. Was auch so war.
Auch zu normalen Zeiten waren die Mahlzeiten für mich Stressmomente. Kartoffeln schälen oder Brötchen holen fand ich noch spannend. Ich knabberte für mein Leben gern rohe Kartoffeln, weil sie einen ähnlichen Geschmack hatten wie die gekalkten Zimmer-Wände, die ich anleckte und abkratzte (frühkindliche Perversion, ich weiß) und morgens mit der Großtante in die warme Backstube zu gehen, weil der Laden noch nicht aufhatte, das war ein Erlebnis, denn wenn ich wollte, durfte ich sogar die Brötchen aussuchen. Aber wenn das Geschirrgeklapper losging und der Tisch gedeckt wurde, verkroch ich mich am liebsten darunter. Natürlich holten sie mich hoch und setzten mich vor einen vollen Teller, den ich ambitionslos ansah, um kurz darauf in anhaltendes Geplapper auszubrechen, damit niemand auf die Idee kam, mir etwas in den Mund zu schieben. Ich erinnere mich nicht daran, dass ich ein Lieblingsessen oder ausgeprägte Abneigungen hatte, für mich war - zumindest in der Erinnerung - alles geschmacklos. Ob ich Süßes mochte, kann ich nicht sagen. Es waren ohnehin noch nicht die Zeiten, in denen Kinder täglich Süßigkeiten bekamen. Schokolade gab es zu Ostern, zu Weihnachten und am Geburtstag, Kekse und Kuchen waren mir egal. Das einzige, was ich ganz gern mochte, waren schokoladengefüllte Karamell-Lollies und herbe Lakritzstangen. Aber selbst an denen lutschte ich gut drei Tage.
Die Tricks, mit denen mir Essen nahegebracht wurde, waren zirkusreif.
"Kuck mal, da kommt eine Dampflok: sch-sch-sch, tut-tut, Mund auf!"
"Ein Löffel für Papa, der muss studieren, ein Löffel für Mama, die muss studieren und ein Löffel für dein kleines Brüderchen, damit er groß und stark wird!"
"Wenn du jetzt nicht aufisst, müssen wir dich leider anbinden, bis der Teller leer ist. Das ist ganz peinlich, was soll denn der Nachbar sagen, aber es hilft ja nichts."
Die Tricks brachten meist nicht viel und das mit dem Anbinden versuchten sie einmal und nie wieder, denn ich saß ewig vor dem Teller.
Einmal ging ich in die Speisekammer und holte mir ein Stück Würfelzucker. Nicht, weil ich das so toll fand, sondern weil mir fortwährend Geschichten vorgelesen wurden, in denen Kinder Süßigkeiten mopsten. Als ich dann den Würfelzucker kostete, fand ich das zwar sehr süß, hatte aber keine Ahnung, warum andere Kinder für so etwas langweiliges Ärger riskierten.
Dafür konnte ich mit drei Jahren schon recht manierlich im Restaurant am Tisch sitzen und mit Besteck umgehen. Ich schob das Essen zwar weitestgehend auf dem Teller herum, aber ich muss dabei reizend ausgesehen haben, denn meine Großeltern gingen gern mit mir essen. Vielleicht waren es auch die umständlichen Tischsitten, die mich davon abhielten, Spaß am Essen zu haben. Nur am Waschtag wurde in der Küche eine vorgekochte Suppe gelöffelt. Ansonsten gab es Mittagessen am gedeckten Tisch, mit komplettem Besteck, Stoffservietten, Vorsuppe und Nachtisch.
Zur großen Empörung von KKM mochte ich am allerliebsten jenes Arme-Leute-Essen, das in diesem Haushalt nicht mehr auf den Tisch kam: frisches Graubrot mit Schmalz und Äpfel vom Baum. Es war ihr jedes mal herrlich peinlich, wenn die Omi von gegenüber stolz berichtete, ich hätte mit ihren Enkeln zwei ganze Stullen verputzt und auch nebenan, im Postenhaus, mochte ich das Soldatenbrot. Weißbrot mit ungarischer Salami und Camembert mochte ich eben weniger gern.
Mit fünf Jahren lag ich wochenlang mit einer Hepatitis-Infektion im Krankenhaus. Es war Vorschrift, danach ein Jahr lang Gallendiät zu halten - nichts Gebratenes, kaum Fett, keine Hülsenfrüchte. Die Mädchen in diesem riesigen Krankensaal waren den ganzen Tag damit beschäftigt, dem hinterherzutrauern, was sie nicht mehr essen durften: Schnitzel, Linsensuppe, Knackwurst, Kakao, Torte, Backfisch. Ich lag in meinem Bett und fragte mich, was daran so besonders wäre.
Ich hatte es ohnehin wieder ausgereizt. Bevor ich ins Krankenhaus kam, hatte ich so lange kein Essen in mir behalten können, bzw. es gleich ganz verweigert, dass ich vor Schwäche nicht mehr laufen konnte. Es dauerte lange, bis ich wieder aufrecht stand und die Puddingsuppe, die es manchmal morgens anstelle des Haferschleims gab, fand ich ok., aber ich gab den anderen, die sich darum fast prügelten, gern meinen halben Becher.

Die nächsten Aha-Erlebnisse kamen, als ich zu meinen Eltern und meinem Bruder umsiedelte. Der Kleine war damals wohlgenährt und hatte, da er von Anfang an im Kindergarten war, einen gesunden Futterneid entwickelt, neben dem ich zunächst wie ein spackes Alien stand.
Ich erinnere mich an einen der ersten gemeinsamen Abende, wo er vor dem Abendbrot hungrig war, ein Ende Teewurst aus dem Kühlschrank griff, sie sich mit den Fingern herauspulte und in den Mund schob. Ohne Brot! Freiwillig! Ich schüttelte mich, als ich auch probierte.
Auch das Kindergartenessen war für mich zunächst abartig. Breiiger Milchreis, Milchnudeln (ich hasste süße Hauptspeisen!), "Stullenfleisch" (Hackbraten), Nudeln mit Tomatensauce, alles was die anderen Kinder in Entzücken versetzte, war mir egal. Das einzige, was ich interessant fand, war der nachhaltige Glutamatgeschmack der Saucen.

7
Okt
2009

Kruzitürken!

Habe gerade einen Versuch mit offline-Bloggen über Qumana gemacht. Entweder ich habe mich zu blöd angestellt oder dieses Programm. Download klappte, upload nicht, da streikte das Programm. (Und hat mir zwei Texte gefressen!)
Da ich mit Blogdesk für PC nie Probleme hatte, sollte es nicht an Einstellungen oder Portfreigaben liegen.
Hat jemand eine Empfehlung für Offline-Bloggen mit dem Mac?

6
Okt
2009

Look at

babeltext

28
Sep
2009

Mutter und das Hähnchen

Ich bin fasziniert davon, was am Ende dieses als langweilig gescholtenen Wahlkampfes passiert.
Angela Merkel steht vor den Fernsehkameras und wedelt impulsiv mit den Armen (Ellbogen natürlich wie immer am Körper), sie lächelt sogar.
Und dann kommt Super-Guido. Der, der schon zwei Mal vor den Augen der ganzen Nation am Zaun rüttelte und schrie: "Ich will hier rein." Der auch im siebten Jahr und im dritten Versuch auf der Außenseiterposition knapp hätte scheitern können. Er ist von Kopf bis Fuß Triumph, er platzt fast vor Freude und Energie. Endlich regieren!
Alle alle alle Visionen verwirklichen!
Der Mann ist in seinem Redesermon nicht zu unterbrechen, zwei Mal muß die Kanzlerin reingehen, bis er mitbekommt, daß gerade seine Chefin spricht und er jetzt anstandshalber mal die Klappe zu halten hätte.
In diesen drei Minuten hatten wir die Dynamik der zukünftigen Koalition in der Nußschale.
Merkel wird sich noch sehr nach der bräsigen SPD und ihren Akteuren zurücksehnen, nach Steinmeiers kooperativem Phlegma, Becks Neigung, bullerig Eigentore zu schießen und einem Müntefering, der durch junge Liebe altersmilde geworden ist.
Westerwelle scheint übermotiviert und die Kraftverteilung in der zukünftigen Koalition arbeitet ihm auch noch zu. Daß diese Stimmen, die die FDP zu diesem Wahlergebnis katapultierten, vor allem die SPD an der Macht hindern sollten, ist in der Politikpraxis nicht maßgeblich.
Merkel hat vier Jahre Schwerstarbeit hinter sich, das sieht man ihr auch an. ob sie dem, was sie jetzt erwartet, gewachsen ist, darauf bin ich sehr gespannt.

27
Sep
2009

Exkurs 1

look at babeltext

26
Sep
2009

GRMPF!

Mal wieder aus Bravheit und Zögern einen Tick zu spät dran.
Kitty, wenn dich etwas leidenschaftlich anzieht, dann solltest du deinen Impulsen folgen und nicht deinem Kopf und den anderen, die dir sagen, was richtig für dich ist.

17
Sep
2009

Im Anderen leben

Eva Gabriellson, die Lebensgefährtin des schwedischen Autors Stieg Larsson hat ein Problem.
Larsson starb völlig überraschend, relativ jung und ohne Testament. Die Erlöse der drei Bücher, die sich als Bestseller erwiesen, gehen an seine lebenden Blutsverwandten, zu denen er laut Gabriellson so gut wie keine Verbindung hatte.
Aber ihre sehr lange dauernde Beziehung ist so gut wie nicht publik:

Eva Gabrielsson hat 32 Jahre mit Stieg Larsson zusammengelebt. Es war ein gefährliches Leben, denn er stand auf den Todeslisten der Neonazis in Schweden, weil er den Mut hatte, immer wieder öffentlich vor ihnen zu warnen. Er musste sein Privatleben so anonym halten wie möglich. "Ich durfte nicht mal meinen Arbeitskollegen sagen, mit wem ich meine Wohnung teile", erinnert sich Gabrielsson. "Ich hatte auch nie Menschen von der Arbeit zu Hause zum Essen oder so was. Wir haben auch nicht geheiratet, damit Stieg nicht bei den öffentlichen Behörden recherchierbar ist."

Quelle

Ganz ehrlich, ich finde das sonderbar. Vielleicht sind schwedische Neonazis gefährlicher und mächtiger als deutsche. Denn zwei Frauen, die ich kenne, die in Brandenburg und Berlin sehr intensiv zu Neonazis recherchier(t)en und veröffentlich(t)en, bewegen sich ganz normal in der Öffentlichkeit. Sie telefonieren zwar mit unterdrückten Nummern und sind mit ihrer Adresse nicht allzu freigiebig, aber sie bekennen sich zum Lebensgefährten bzw. Ehemann und haben Kinder, mit denen sie ganz normal umgehen.
Sollten die beiden tatsächlich 30 Jahre lang ohne Freunde und jegliche andere öffentliche/gesellschaftliche Statements eine enge Beziehung geführt haben? So eng, daß Gabriellson tatsächlich durch konkrete Hilfe und Unterstützung maßgeblich am Entstehen der Bücher beteiligt war? Oder war sie nur(?) die Geliebte, die standby-Frau, bei der sich der Untergrund-Krieger ausruhte und zu der er sich womöglich nie bekennen wollte?
Die Frau im Hintergrund des Kreativen ist keine Neuigkeit der Kunstgeschichte, eher der Klassiker.
Mich verwundert aber, daß das auch in einer so extrem emanzipierten Gesellschaft wie Schweden passieren kann. - Oder vielleicht gerade? Denn welche eigenständige Frau stellt sich hin und rechnet ihrem Lebensgefährten/Geliebten vor:
Socken und Unterhosen gewaschen
für einen vollen Kühlschrank gesorgt
zugehört (auch wenn du zuviel getrunken hast)
Bibliotheksrecherche
Ideen ausgesprochen
Manuskript gesichtet und korrigiert
dir Mut gemacht, wieder und wieder
auf gemeinsame Freunde verzichtet
offiziell als alte Jungfer vergammelt
Angst um dich gehabt,
das macht in 30 Jahren, in denen ich dir einen großen Teil meiner privaten Energie und Lebenszeit gewidmet habe mindestens 30% deiner gegenwärtigen und zukünftigen Einnahmen aus - und das hätte ich bitte schriftlich und zwar jetzt.
Das ist eine schwierige Sache, nicht wahr? Zudem Frauen ihren Support freiwillig anbieten, wieder und immer wieder. In der alten, tief sitzenden Hoffnung, für Nettsein und stille Aufopferung belohnt zu werden. Statt auf sich selbst zu vertrauen und ein Buch zu schreiben, einen Bauernhof zu kaufen, eine Firma zu gründen, sind sie die Wesen im Hintergrund und seit es aus der Mode ist, bei engerer Bindung zu heiraten, sind sie gearschter als früher. Aber sie sind selbst schuld.

LaPrimavera hat sich ihr drittes Haus allein gekauft. Zwei Mal hatte sie einen Mann im Boot. Beim ersten Mal verlor sie bei der Scheidung die ältesten Freunde, weil der Exmann öffentlich jammerte, sie habe ihn mit dem Haus finanziell ruiniert, weil es nur unter Verlust zu verkaufen war. Beim zweiten Mal zog der Lebensgefährte die Reißleine, weil er seine Ideen nicht durchsetzen konnte. Das Haus wurde rechtzeitig und mit Gewinn verkauft. Den Gewinn teilten sich die beiden und sie machte die nächste Investition in ihre Traumobjekt allein. Mit allen Konsequenzen: ruinierten Bandscheiben wegen der harten Arbeit und einem Fulltimejob durch den riesigen Garten. Es gibt zwar einen Mann in ihrem Leben und der wird auch aufgefordert, etwas zu tun, wenn er unter riesigen Bäumen in der Hängematte liegen will. Aber wenn es darum geht, daß er ganz zu ihr zieht (was er eigentlich gern möchte) und damit als Mann im Haus jede Menge schwere Arbeit übernehmen wird, macht er immer wieder einen Rückzieher.
Er begründet den natürlich nicht öffentlich, aber ich kann mir gut vorstellen, daß es sicher darum geht, daß er seine Energie nicht in einem Faß ohne Boden versenken will und womöglich irgendwann ohne Bleibe dasteht.
Er weiß also, jenseits von Heimwerkerei zur Beziehungspflege, was seine Arbeit wert ist. Er will sie nicht einfach so verschenken.

Vielleicht ist das der Punkt. Den Wert der Zuarbeit für einen Partner selbst schätzen zu lernen. Sich nicht mit Kleinkram bescheiden oder diesen bewußt zu verschenken (ich habe z.B. Bügeln immer als scherzhaft Liebesbeweis bezeichnet). Sich zu fragen, warum man das, was man für den anderen tut, nicht für sich selbst tut. - Verbunden mit Verantwortung und dem Risiko des Scheiterns. Wir sind wieder beim alten Thema Furcht vor Verantwortung...

13
Sep
2009

Lesen!

"Das Opfer" von Peter Zilahy. Abgedruckt in der FAS von heute (online nur mit login).
Ich habe gelacht und gestrahlt beim Lesen. Ein schönes Gefühl wenn man merkt, daß man nicht der einzige Mensch hinter dem Eisernen Vorhang war, der in griechische Sagen hineinfiel wie in eine andere, bessere Welt.
Wenn es heißt, ein wenig Hunger sei gut, um den Körper gegen das Altern aufrecht zu halten, so ist das mit dem Kopf nicht anders. Weniger Input an Information und Geschichten hält das Hirn und die Phantasie auf Trab.

7
Sep
2009

Wieder mal

eine Bewerbung bekommen, von einem Jungmann, den ich sofort als Büroboten einstellen würde *hrhrhr*, aber sicher nicht als das, wofür er sich bewirbt. Dafür isser leider komplett unbegabt.

Weisheit für den Montag

Tote Pferde reiten stinkt irgendwann.
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The Diary of Kitty Koma

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