leben

5
Jul
2008

Demnächst

geht es hier wieder weiter.

28
Jun
2008

Vorbei

Ich habe etwas verpaßt.

26
Jun
2008

Kitty auf Station

Wahnsinn, jetzt haben sie mir schon zum vierten Mal eine Schlaftablette angeboten. Ich hätte jedes Mal Ja sagen sollen...
Der Flatscreen ist breiter als mein Bett. Mein Vorgänger war scheinbar Araber, als ich die Kiste anschaltete, lief Al-Dshasira.
Es wird alles nicht so schlimm, wie befürchtet, übermorgen bin ich wieder raus. Vielleicht sollte ich mir noch neue Brüste machen lassen, damit ich noch eine Weile bleiben darf, die sind alle so nett hier und die Nachtärztin hat den tollsten Händedruck der Stadt.

25
Jun
2008

...

herzklappe ist drin. patient lebt.

23
Jun
2008

Der Unberührte

Die Eltern sind ohnehin ein Problem. Gott, wie das klingt. Prätentiös. Zickig.
Meine Eltern habe ich zuerst als Kinder erlebt. Abhängig von ihren Eltern, die mich aufzogen. Sie kamen mit ihrem Motorrad zu Besuch. Sie wurden mit Freßpaketen wieder verabschiedet. Ich sehe im Album Fotos von zwei sehr jungen Menschen, sonntäglich herausgeputzt, mit unsicherem Lächeln haben sie mich auf dem Arm, an der Hand. Ich schaue auf den Fotos meistens auf jemanden außerhalb des Bildes. Meine Großmutter, die an der Seite steht oder auf den Großvater hinter der Kamera.
Den Vater erlebe ich mit dem Lötkolben in der Hand. Über Röhrenradios gebeugt oder den Kopf im Innenleben des Fernsehers. Nicht anfassen! Was er schöpft und beherrscht, ist verbunden mit der dramatischen Gefährlichkeit von etwas Unsichtbarem. Erst ist es elektrischer Strom, später dann radioaktive Strahlung.
In der zusammengeführten Familie, der ersten gemeinsamen Wohnung, klingelt es an der Tür. Der seit einer Stunde erwartete Vater steht da. Schwankend, laut, eine Zigarre in der Hand. Er hat seinen ersten wissenschaftlichen Vortrag mit Whisky gefeiert und den Schlüssel verloren. Was in anderen Familien Stoff für gutmütige Anekdoten ist: ich hab dich damals mit Klamotten ins Bett gesteckt, Herrgott, hast du gestunken, ist Anlaß für ein Riesendrama. Mit Kleidern, die in Koffer gepackt werden und angedrohter Aufkündigung von Wohnung und Partnerschaft. Ich stehe da und denke: Aber ich bin doch grade erst hier. Wo soll ich denn jetzt hin?
Der Teufelskreis, Mann säuft, Frau nörgelt (Was war zuerst da?), dreht sich vierzig Jahre lang, mal schneller, mal langsamer.
Wir Kinder stehen mal im Zentrum, mal an der Peripherie. Sind Ziel volltrunkener, pathetischer Wortschwälle, beschämte Zuschauer peinlicher Auftritte oder Kummerkasten und Beschützer einer tief gekränkten Frau.
Es gibt wenig, worauf Verlaß ist bei diesem Menschen. Er löst seine behauptete und praktizierte bulldozerhafte Unerschütterlichkeit immer wieder mit Alkohol auf. Dann kann er über Gefühle sprechen, nur keiner hört ihm zu. Dann kann er Konflikte austragen, aber seine Aggressionen sind gefährlich. Heute ist er der nette Kumpel, morgen der steife, autoritäre Vorgesetzte, übermorgen der Haustyrann. Immer wieder ist er der Mensch, den wir im Dunkeln ängstlich und schlaflos erwarten. Dessen unsicherer Schritt durch die Straßen des Neubauviertels hallt. Der ewig braucht, um die vier Treppen hinaufzukommen. Nach der Zeit, die er braucht, um die Wohnungstür zu öffnen, können wir auf seinen Zustand schließen. Was kommt? Fällt er ins Bett und beginnt zu schnarchen? Dann muß ihn die Mutter morgen früh nur rechtzeitig zur Arbeit bewegen. Kommt er in unser Zimmer und beginnt einen Vortrag über unsere schulischen Leistungen? Will er Hefte kontrollieren? Schreien sie sich im Wohnzimmer an?
Ich bin so früh es ging aus diesem Spiel ausgesteigen. War weg. Erst innerlich und so bald es ging auch räumlich. Ich zog bei der ersten sich bietenden Gelegenheit aus.
Jahrelang gab es eine friedliche Koexistenz der Distanz. Fing meine Mutter an, sich zu beklagen, wies ich sie darauf hin, daß sie das seit Jahrzehnten mitmacht. Nach meinem desaströsen 18. Geburtstag beherrschte sich mein Vater auf allen Feiern, die um meinetwillen stattfanden. Scheinbar war ich in meiner autoritären Art seiner Mutter, KKM, so ähnlich, daß er mich respektierte.
In den Monaten, in denen KKM im Sterben lag, kamen wir uns zum ersten Mal etwas näher. Er rief mich oft an und sprach lange mit mir. Ich habe nie vorher solche Gespräche mit meinem Vater geführt. Die verächtlichen Sätze meiner Mutter blockte ich ab. Er käme von der Arbeit, würde sich betrinken und dann um seine Mutter weinen. Ein oder zwei Mal sagte ich ihm: Hör auf, dich abzuschießen! Er überhörte das natürlich.
Der Tag vor der Beerdigung brachte das übliche Szenario von Unzuverlässigkeit und Enttäuschung. Er könne morgen nicht kommen, er sei krank, bekäme keine Luft mehr. Meine Mutter zog gleich. Dann käme sie auch nicht.
Natürlich bin ich mit Mitte 40 alt genug, diesen Teil der Familie zu repräsentieren. Ich wäre nicht allein gewesen. Der Bruder, das Kind, HeMan, alle waren da. Aber ich habe es nicht akzeptiert. Meine Forderung war eindeutig. Ich möchte mich einmal im Leben auf euch verlassen können! Ich habe mich damit durchgesetzt.
Gestern sitze ich bei ihm im Krankenhaus. Er erzählt vom Auf und Ab von Puls und Blutdruck, von Blackouts. Die Äußerung des Arztes, daß er glücklich sein kann, in diesem Zustand noch zu leben, hat ihn im Krankenbett liegend zusammenbrechen lassen. Zwei kleine Herzinfarkte, einer davon wahrscheinlich kurz vor der Beerdigung, eine verschleppte Lungenentzündung, fadendünner Blutfluß in versotteten Herzarterien und das begleitet von 70 km Arbeitsweg, noch dreimal wöchentlich hin und zurück, Sportclub und Training, anschließend Umtrunk, Arbeit am Schreibtisch mit der Rotweinflasche daneben, der schimpfenden Frau und den Besuchen bei der sterbenden Mutter.
Ich merke, daß er sich freut, daß ich gekommen bin, auch wenn er es nicht richtig zeigt. Im Zimmer sind noch zwei röchelnde Greise, wir können nicht offen reden. Ich möchte ihn schütteln. Ihm sagen: Hör endlich auf mit dem Scheiß! Tu was für dich! Leb endlich! Nein, das muß er selbst wissen.
Ich frage ihn nach einem Badesee in der Nähe, denn das Krankenhaus liegt fast schon im Spreewald. Er meint: Tiefer See. Da habe ich doch mit euch immer gehalten, wenn ich euch in den Ferien nach Leipzig zur Tante gefahren habe. Ich erinnere mich. Eine Badestelle direkt an der B68. Die zweite war ein Tonstich bei Dessau, dort schlitterte man über das tonige Ufer ins Wasser.
Wahrscheinlich waren wir die einzigen Kinder, die auf der Fahrt in die Ferien zweimal baden gegangen sind.
Er verabschiedet mich schnell als das Essen kommt. Wir fahren zum Tiefen See und schwimmen lange im kalten Wasser.
Heute wird mein Vater in die Herzklinik verlegt. Für eine Herzklappe aus Schwein sei er mit Mitte 60 zu jung. Er bekommt eine Metallklappe, die dem Herzschlag ein Klick hinzufügen wird. Eine Lebensmahnung, wie das Ticken einer Uhr.

20
Jun
2008

Wer war das?

Die da gestern in der Kulturbrauerei Bier in sich reinschüttete, auf und ab hüpfte wie ein Flummi und aus voller Kehle brüllte?
Ich war stockheiser, als ich nach Hause fuhr.

19
Jun
2008

Derzeit

geht es nur mit Paukenschlägen und Posaunen durchs Leben.
Seit 6 Tagen nur Feiern, Essen, Freunde sehen. Mittsommer eben.
Der englische Freund, für mich einmal im Jahr ein intellektueller und naturwissenschaftlicher Übungsparcours. Wir denken gemeinsam. Ansonsten ist er ein recht anstrengender Zeitgenosse. Er muß bewegt und bespaßt werden. Aber ich habe mich auch in diesem Jahr geweigert, eine von ihm bewunderte zuckersüße, filigrane Koranerin für ihn anzusprechen. NERD hin oder her, Frauen muß Mann selber auftun.
Gestern am frühen Abend lasse ich mein Telefon für eine Stunde außer Aufsicht und gehe zwei Treppen tiefer auf einen Geburtstagschampagner. Die in der Zwischenzeit eingetroffene Nachricht auf der Mailbox läßt mich mit einem Tunnelblick durch die Stadt fahren. Der Vater liegt im Krankenhaus, der Arzt spricht von Glück, daß er überhaupt noch lebt. Neue Herzklappe, sobald im Herzzentrum ein Bett frei ist.
Auf der schlesischen Straße muß eine Radlerin bei Rot unbedingt noch ihrem Freund hinterfahren. Ich steige in die Eisen, schreie sie an. Das war knapp, du lebensmüde Schlampe. Es ist ihr nur einen hochmütigen Blick wert.
Dann eine Dachterrasse. Blumen. Duftende Rosen. Freunde. Ich darf mein Muttertier rauslassen, Hollandaise schlagen und Erdbeeren marinieren.
Ganz am Rande : man kann nach dem Genuß von Spargel, Hollandaise und kleinen Kartöffelchen sehr gut über blow jobs reden. Aber das auch nur am Rande. Es mag unfein sein, nach 0 uhr über den Job zu reden. Für jemanden wie mich, die seit Jahren nur noch die inzestuösen Gespräche der TV-Branche hatte, war es sehr angenehm. Und es ging noch weiter über Freundschaft, Wurzeln, Heimat, Wut, Verantwortung, Intrigen... und der gelbe Vollmond schlug einen flachen Bogen über dem Dach.
Als ich um drei Uhr nachts gerade in den Schlaf tauchte, drückte eine Explosion die Fensterscheiben nach innen. Dann Notsignale, dann Feuerwehrleute und Polizei, die den Hof mit der Taschenlampe ableuchten.
Vor einem Jahr brannte das Tor der Tiefgarage. Diesmal explodierte eine Gasflasche am Fuß des Baukrans im Nebenhof.

16
Jun
2008

Spätzünder

Mein erstes Auto hatte ich mit 30 (monatelang legte ich den Berliner Straßenverkehr lahm, weil ich meinen Führerschein bereits mit 18 auf dem Dorf erworben hatte) und ich konnte mir garnicht vorstellen, jemals keines besessen zu haben.
Gestern habe ich zum ersten Mal meine vor drei Monaten erworbene Schwimmbrille ausprobiert. Für jemanden, der seit Jahren Langstrecke schwimmt, eigentlich ein Muß. Wie konnte ich jemals ohne ins Wasser gehen?

13
Jun
2008

Über Nacht

Sollte ich jemals den Beruf wechseln wollen, so könnte ich eine Karriere als Dopingspürhund beginnen. In das Kostüm eines freundlichen Schäferhunds gewandet, würde ich an Sportlerblut lecken und keine zwei Studen später gäbe es eine Reaktion.
Knurren und Zähnefletschen - Testosteron
Rennen und Springen - EPO
Lautes Heulen - Wachstumshormone.
Sämtliche um mich bemühte Endokrinologen waren immer sehr erstaunt darüber, daß die geringste Dosisänderung von Hormonen binnen kürzester Zeit auf meine seelische Verfassung durchschlägt.
Zu wenig Schilddrüsenhormon äußert sich in kehliger Stimme, dem Aktionsradius eines übergewichtigen Rollstuhlfahrers und: "Uäh, ich geh mal schlafen." Zu viel in: "WaswillsuAlda?" und hamsterartiger Nachtaktivität.
Zu viel Östogen läßt mich hysterische Zustände erleben. Immer emotional vibrierend und ängstlich zugleich, ständig nah am Wasser gebaut und binnen Tagen an strategisch wichtigen Stellen sofakissenweich gepolstert. Außerdem singe ich dann einen glockenhellen Sopran.
Zu wenig Östrogen läßt mich fragen: "Sex? Das ist doch dieses alberne Gesellschaftsspiel?", Pickel sprießen und meine Gedanken sind denen des Griesgramschlumpfs nicht unähnlich. Meine Stimmlage ist ein düsterer Mezzosopran.
Vor drei Tagen folgte ich dem Rat des eines Arztes und versuchte mein Glück mit einem pflanzlichen Damenpräparat gegen allzu viele Wechselzustände. Und siehe da, die Nebel, die mein Hirn wochenlang umwölkten, lösen sich auf, am Hirnstamm zucken schon wieder die ersten bläulichen Blitze der Aktivität. Ich verliere binnen zwei Tagen drei Pfund (Wasser wohlgemerkt, das bedeutet auch in der Nacht fünfmal aufs Klo). Heute morgen wache ich auf , hebe langsam den Kopf und Rauch entsteigt meinen Nüstern. Ich peitsche mit meinem schuppenbesetzen Schwanz das Bett und fliege kurzerhand los, ein paar Jungmänner frühstücken. Spaß beiseite. Ich vibriere vor Energie, sobald mir was querkommt, hab ich son Hals und in meinem Kopf raunt es leise: Pardon wird nicht gegeben. So müssen sich die jungen Araber in der Reichenberger fühlen, wenn sie ihre Supercheckerautos besteigen.

...

Hormonelle Zickigkeit.

Der Amokklub Kreuzberg e.V. läßt grüßen.
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The Diary of Kitty Koma

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