9
Dez
2008

Kitty on the Moon

Jetzt bin ich also dort, wo ich mich seit zwei Monaten hin gewünscht habe. Die Luft hat 23°, wenn die Sonne scheint, es ist windig und im Schatten kann es recht kalt werden. Also astreines Wüstenklima. Um mich herum sieht es auch abwechselnd aus wie nach einer Atomkatastrophe oder auf dem Mond. Berge, die aussehen wie Abraumhalden (von Vulkanen nämlich, manchmal sind die Krater noch wunderbar zu sehen) und dann wiederum feinster Saharasand, bewachsen von magersüchtigen Pflanzen. Den größten Teil des Tages bewege ich mich mit meinem kleinen Auto in einer Staubwolke vorwärts. Dort, wo ich wohne, gibt es nur Schotterpisten.
Mein kleines Häuschen wird von drei Hunden bewacht. Einem kleinen, pupsenden französischen Bullterrier, einem blonden Boxer und einer deutschen Dogge, deren Schulterblätter sich auf Höhe meines Bauchnabels befinden. Mitunter gibt sich auch eine interessant gefärbte Katze die Ehre, die dann einige Stunden auf der Bank vor meinem Haus schläft.
Ich alter Pessimist habe mir schon vor der Abreise gesagt, wenn ich mich so auf den Urlaub freue, kann das eigentlich nur schief gehen. Die Befürchtung ist nicht ganz eingetreten. Allerdings ernähre ich mich momentan von Rotwein und Knoblauch, weil ich mich irgendwann auf dem Weihnachtsmarkt erkältet habe.
Deshalb habe ich bisher auch nur die Zehen ins Wasser gestreckt. Ansonsten habe ich mir die Zeit damit vertrieben, in der Apotheke Aspirin und Halstabletten aufzutreiben und in diversen grausigen Läden, die von Indern betrieben werden, nach einem Schal zu suchen. Aber im Moment hat man nur Fertigprodukte im Angebot: Tücher, schon zu Röcken genäht und fertig gebundene Piratenkopftücher. Ich habe in Jandia Playa so viele hässliche Deutsche gesehen, dass es auch für das nächste Jahr reicht. Fette Frauen in Shorts und schnauzbärtige Männer mit Socken in - bitte festhalten - Crocs.
Aber Gott sei Dank bin ich nicht auf diese Gesellschaft nicht angewiesen. Die Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung sind ziemlich cool.
Gestern Abend hat mich die Insel bereits gebührend empfangen. Ich fuhr etwas skeptisch zu dem Fischrestaurant, dass der einzig bemerkenswerte Platz im nächstgelegenen Ort ist. Was mich empfing, war atemberaubend: eine Steilküste mit spritzender Gischt, ein blutroter Sonnenuntergang über dem Meer, durchzogen von schwarzen Wolken und dazu der genialste gebratene Fisch, den ich je gegessen habe. Zudem mit einem genialen Preis. Als ich auf der Karte las, Seezunge für 8,50 €, hielt sich das zunächst für einen Scherz oder für eine 100 g Portion. Es war tatsächlich eine ganze Seezunge.
Ich laufe derzeit etwas absurd durch die Gegend. An der rechten Hand trage ich einen weißen Baumwollhandschuh. Das fördert die frische Haut auf den Fingern mehr als der dicke Verband und Pflaster vertrage ich nicht, wie lösen die Haut wieder auf. Ich bewege mich noch immer so vorsichtig wie ein Krebs, der gerade seinen alten Panzer abgeworfen hat.
Und heute gehe ich früh ins Bett, damit ich morgen den Sonnenaufgang mitbekomme.
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The Diary of Kitty Koma

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Deshalb. Letzter Abschnitt.
Deshalb. Letzter Abschnitt.
kittykoma - 7. Nov, 23:29
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cabman - 7. Nov, 21:33
Es ist vollbracht
Kitty und ihr Tagebuch sind wieder an die alte Adresse...
Kitty (importiert durch kittykoma) - 18. Okt, 16:03
wieder einmal bestätigt...
wieder einmal bestätigt sich, dass sport eben doch...
Huehnerschreck - 6. Apr, 10:21
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muß sein. 2007: angebrochene Rippe im Wanderurlaub. 2008:...
kittykoma - 4. Apr, 20:44
Ich will auch einen Staubsauger...
Ich will auch einen Staubsauger mit dem die Hausarbeit...
Steffi (Gast) - 8. Mai, 06:45
Saure Eier
Bei uns gehen Saure Eier etwas anders. Mit Butter in...
Schwaka (Gast) - 17. Feb, 14:20
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